"Und der Himmel wurde blauer, und die Seele wurde weit"
Zum Geleit:
Das
Dorf. Der Fluß. Das andere Ufer.
Seit Jahren lauschen wir den Botschaften und suchen die Zeichen.
Wir wollen uns die Zeit nehmen und uns einlassen auf Vertrautes und
Fremdes.
Wir wollen über die Dörfer gehen, diesseits und jenseits der
Oder.
Die Malwanderung auf Fontanes Spuren führt uns von Groß
Neuendorf im Oderbruch aus entlang der Oder bis zum Grenzort
Hohenwutzen, jenseits von Stary Kostrzynek (Alt Cüstrinchen) bis
zum Dorf Czelin (Zellin).
In Kienitz ist unsere Wanderung zu Ende. Wir haben Bilder mitgebracht,
gemalte und geschriebene "Augenblicksbilder", wie wir sie erlebten und
empfanden.
Barbara Nagel und Gisela Neumann im Juni 1993.
Leseprobe:
Groß Neuendorf . Neumanns Hof. Ich schaue aus dem Fenster über die Wiese vorm Haus in die Gartenwildnis. Hier sind über die Jahre Kirschbäume, Flieder, Rosen und Efeu zu einer dichten Hecke ineinandergewachsen. Holunderbüsche, zarte Robinien und ein üppiger Wildrosenstrauch umgrenzen eine Wiese. In deren Mitte steht ein uralter Apfelbaum. Ein knorriger Ast stützt sich auf die Erde, als wollte er mit letzter Kraft das Umsinken verhindern. Kein einziger Zweig hat in diesem Jahr ausgeschlagen. Schief hängt das Meisenhäuschen. Ed hat es für die Katzen unerreichbar hoch angebracht. Es ist unbewohnt. Die Vögel habe das Sterben des Baumes gespürt....
"Ist es die Luft,die klingt,oder ist es das eigene Herz"
Zum Geleit:
Der
Wind trägt ferne Stimmen zu uns her.
Seit Jahren malen wir die Landschaft diesseits und jenseits des
Oderstroms, fasziniert von den Zeichen und Spuren, die Natur und Mensch
hier in Fülle geben. Daraus ist unser erstes Buch entstanden, "Und
der Himmel wurde blauer, und die Seele wurde weit", mit gemalten und
geschriebenen Augenblicksbildern.
In der zweiten Malwanderung folgen wir dem Fluss von Groß
Neuendorf und Kienitz stromauf zum Zusammenfluss von Oder und Warthe
bei Bleyen, weiter nach Reitwein und auf die Pontischen Hänge bei
Lebus. Jenseits führt uns der Weg in die zerstörte Altstadt
Küstrin, dem Ort der Katte-Tragödie, nach Schloß Tamsel
(Dabroszyn), auf das Schlachtfeld des Siebenjährigen Krieges bei
Zorndorf (Sarbinowo), bis hin in das ehemalige Kolonistendorf New York
im Warthebruch.
Als geistige Reisegefährten haben wir Theodor Fontane, Jan
Bernasiewicz, Rainer Maria Rilke, Friedrich Hölderlin, Derek
Jarman und andere gewählt.
Barbara Nagel und Gisela Neumann 1997
Leseprobe:
Kienitz. Der letzte Tag des alten Jahres. Die Oder ist zugefroren. Sie liegt wie ein nachlässig gepflügtes Feld zwischen beiden Ufern. Im frischgefallenen Schnee kreuzen sich Tier- und Menschenspuren und verlieren sich jenseits in der sanften weißen Weite, die nur durch den ockerfarbenen Uferstreifen unterbrochen wird. Auch viele Füchse kommen in diesem Winter über die Oder. Es klopft an die Tür meines Häuschens. Gäste wollen in die warme Kienitzer Winterstube. Eher zufällig ist die Begegnung, ohne Anstrengung sind unsere Worte und Gesten. Wir lesen Geschichten unserer Lieblingsdichter vor. Die Worte schwingen im Raum und kehren zu uns zurück. Es geht auf Mitternacht. Wir gehen zur Alten Eiche am Deich..